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Harnstoff als Stickstoffdünger im Aquarium

Harnstoff (Urea) ist die einzige kaliumfreie Stickstoffquelle unter den gängigen DIY-Salzen — praktisch, wenn Kalium bereits ausreichend vorhanden ist. Anders als bei Kaliumnitrat steht der Stickstoff aber nicht sofort als Nitrat zur Verfügung.

Wie Harnstoff im Becken wirkt

Pflanzen können Harnstoff nicht direkt verwerten. Bakterien im Becken spalten ihn zunächst per Enzym (Urease) zu Ammonium/Ammoniak, das anschließend — wie auch der Stickstoff aus Fischausscheidungen — von nitrifizierenden Bakterien weiter zu Nitrit und Nitrat umgewandelt wird. Harnstoff-Stickstoff durchläuft also eine Zwischenstufe, die Kaliumnitrat übergeht.

Ist das gefährlich?

Ammoniak (NH₃) ist fischgiftig, Ammonium (NH₄⁺) deutlich weniger. Welcher Anteil vorliegt, hängt stark vom pH-Wert ab: Bei den in CO₂-versorgten Pflanzenaquarien üblichen pH-Werten von 6,5–7 liegt der giftige NH₃-Anteil unter 1 % des Gesamtammoniaks — deutlich über pH 8 steigt er schnell an. Handelsübliche Ammoniak-Tests messen immer das Gesamtammoniak (NH₃+NH₄⁺ zusammen), nicht den giftigen Anteil allein — ein Ausschlag auf dem Test sieht bei niedrigem pH bedrohlicher aus, als er tatsächlich ist.

Warum der Ammoniak-Wert trotzdem kurz ansteigen kann

Die nitrifizierenden Bakterien im Becken sind auf die übliche, gleichmäßige Belastung durch Fischausscheidungen eingestellt. Eine größere Harnstoffgabe auf einmal erzeugt einen Ammonium-Schub, an den sich die Bakterienpopulation erst anpassen muss — das dauert einige Tage, nicht Wochen. In der Zeit zeigt der Test erhöhte Werte, ohne dass automatisch eine Gefahr besteht, solange der pH im üblichen Bereich liegt.

Praktische Dosierung

Langsam einschleichen statt die Zielmenge sofort komplett zu geben — kleine Dosen, über einige Tage steigern. Bei höherem pH (ab etwa 7,5) entsprechend vorsichtiger dosieren oder ganz auf eine andere Stickstoffquelle ausweichen. Streuharnstoff aus dem Landwirtschaftsbedarf ist oft mit einem Ureasehemmer (NBPT) beschichtet, der die Umwandlung gezielt verzögert — für die Aquariendüngung ungeeignet, unbeschichteten Harnstoff verwenden.

Für alle, die exakt dosieren wollen

1 g Harnstoff liefert denselben Stickstoff wie rund 2,06 g Nitrat (NO₃⁻) — der hohe Stickstoffanteil (46,65 %) macht Harnstoff besonders ergiebig. Ein Nitrattest sieht diesen Stickstoff allerdings nicht sofort: Er erfasst erst das Nitrat, das nach der bakteriellen Umwandlung entsteht, nicht den Harnstoff selbst.

Häufige Fragen

Ist Harnstoff als Stickstoffdünger im Aquarium sicher?

Ja, bei den in CO2-versorgten Pflanzenaquarien üblichen pH-Werten von 6,5–7 und langsamer Eindosierung. Der giftige Ammoniak-Anteil liegt dort unter 1 % des Gesamtammoniaks.

Warum zeigt mein Ammoniaktest nach der Harnstoffdüngung kurz einen Ausschlag?

Die nitrifizierenden Bakterien im Becken brauchen einige Tage, um sich an die höhere Ammonium-Last anzupassen. In der Zeit zeigt der Test erhöhte Werte, ohne dass bei üblichem pH automatisch eine Gefahr besteht.

Wie wirkt sich der pH-Wert auf die Giftigkeit von Ammoniak aus?

Der giftige NH3-Anteil am Gesamtammoniak steigt mit dem pH-Wert: bei 6,5–7 unter 1 %, bei 8,0 bereits über 5 %, bei 8,5 über 15 %.

Wie dosiere ich Harnstoff richtig ein?

Langsam einschleichen statt die Zielmenge sofort komplett zu geben, bei höherem pH (ab etwa 7,5) vorsichtiger dosieren, und kein mit Ureasehemmer (NBPT) beschichtetes Landwirtschaftsgranulat verwenden.

Warum sieht mein Nitrattest den Harnstoff nicht sofort?

Der Test erfasst Nitrat, das erst nach der bakteriellen Umwandlung über Ammonium und Nitrit entsteht — nicht den Harnstoff selbst.

Mit dem Sodachi-Rechner lässt sich Harnstoff als Stickstoffquelle exakt einplanen.